Kulturelle Unterschiede #1 – Respekt für Eltern, Ältere und Vorfahren – 小顺

Der deutsche Begriff über den ich heute schreiben möchte ist kindliche Pietät. Ein Wort, das ich erstmal googlen musste um es auch Deutsch zu finden. Im Englischen ist es filial piety und im chinesischen xiao shun (孝顺). Im Wesentlichen beutete es Liebe der Kinder zu ihren Eltern und Ahnen. Dieses Konzept ist sowohl im Konfuzianismus als auch im Daoismus und Buddhismus verankert und hat bis heute einen sehr großen Einfluss. Gegliedert wird diese Pietät in zwei Bereiche:

  • Fürsorge gegenüber den Eltern und alten
  • Folgsamkeit gegenüber Eltern und Vorgesetzten

Es gibt viele alte Beispiele in denen Kinder für ihre Eltern Hunger, Kälte und/oder Schmerzen auf sich genommen haben um ihre Eltern zu schützen. Im heutigen Kontext argumentiert die Autorin Zhang Wei wie folgt:

Pietät bedeutet, dass die Kinder für den Unterhalt ihrer Eltern und der Alten in der Familie, deren Arbeitsvermögen beständig abnimmt, sorgen. Sie umfasst wirtschaftliche Unterstützung, alltägliche Versorgung, medizinische Behandlung, Krankenpflege sowie Anwesenheit am Sterbebett. Nach einer überlieferten Ansicht der Chinesen pflegt man die Kinder, um am Lebensabend versorgt zu sein.

 

Und im Großen Chinalexikon steht es so:

Nach konfuzianischer Ethik galt die Pietät oder Kindesliebe (xiao) als Kardinaltugend, d. h. Kinder schuldeten den Eltern Gehorsam und den älteren Familienmitgliedern Respekt. So war es selbstverständlich, dass im alten China die Familie nicht nur für ihre jungen, sondern auch für ihre alten Mitglieder sorgte.

 

Inwiefern wird diese Kindesliebe noch erwartet? Ich habe meine Freunde dazu befragt und faszinierend unterschiedliche Antworten. Es besteht zwar immer noch großer Respekt für die Eltern und Großeltern, aber nicht jede Familie besteht mehr auf Gehorsam. Meine Freundin Guan ist relativ frei von den Erwartungen ihrer Eltern. Diese üben wenigen Drucke auf sie aus. Ihre Eltern stört es nicht, dass sie sich ihr Studienfach selbst ausgesucht hat, dass sie im Ausland gewesen ist und dort auch ihren Master machen will. Es ist auch nicht schlimm, dass Guan noch keinen Freund hat und einmischen würden sie sich auch nicht wenn es so weit ist. Guan soll machen wie sie am besten denkt. Sie kann und fragt natürlich auch ihre Eltern um Rat. Aber es wird ihr nichts aufgezwungen.

 

Ganz anders dagegen die Familie meiner Freundin Zui. Ihre Eltern sind mehr als nur unglücklich mit ihrer Studienwahl- Anthropologie. Und die Aussicht, dass sie ins Ausland gehen will finden auch nicht gerade fruchtbaren Boden bei ihren Eltern. Es ist ein beständiger Kamp für Zui, der noch mehr ausartet, wenn es um einen zukünftigen Ehemann geht. Das Zui heiraten wird, steht eigentlich außer Frage und auch wenn sie erst 21 ist, Druck wird von der ganzen Familie ausgeübt einen Freund zu finden. Aber es muss auch schon der richtige sein, Ansprüche sind hoch. So hoch, das Zui ihrer Familie die über sechs Monate lange Beziehung mit einem jungen Mann bis jetzt immer noch verschwiegen hat. Er ist zwei Jahre jünger als sie und das ist das Problem. Sollte ihre Familie ihn nicht mögen oder als für nicht gut genug befinden, kann es sein, dass sie verlangen, dass sie ihn verlässt.  Es würde sich nicht schicken, wenn sie die alleinige Verdienerin wäre für lang Zeit oder das sich wesentlich mehr verdient als er. Zui weißt nicht was sie tun wird, sollte ihre Familie sie unter Druck setzen. Denn kindliche Pietät ist eine starke Tradition in ihrer Familie. Ihr älterer Cousin hat sich gerade erst mit seiner Freundin verlobt. Gegen seinen Willen wohl gemerkt, alleinig wegen des Drucks der Familie. Er hat Zui gerade heraus gesagt, dass er eigentlich einfach nicht heiraten will. Zui’s Familie ist groß ihr Vater hat sechs Brüder und ihre Mutter drei Geschwister. Ich habe einige Zeit bei ihrer Familie verbracht und habe die Verlobung selbst miterlebt. Zu meinem absoluten Erstaunen wurde nach dem Essen noch mal über die Verbindung gesprochen ohne den Cousin und seine Verlobte und die Eltern und Großeltern kamen zu dem Ergebnis, dass es Ihnen ja eigentlich lieber werde der Cousin fände jemandem mit einem höheren Einkommen und einem anderen Job, denn die junge Frau arbeitet bei einer Reiseagentur, damit wäre sie natürlich weniger zuhause. Verstehe das wer will.

Generell hat mich der Unterschied bei meinen beiden Freundinnen sehr verblüfft. Wobei ich neulich auf ein weiteres Beispiel gestoßen bin, meine chinesische Lehrerin (etwa Mitte zwanzig) sagte uns auch, dass sollte ihre Mutter ihren Freund nicht leiden oder gut heißen würde sie auf jeden Fall nachgeben und ihn verlassen.

Natürlich ist uns auch im Westen die Meinung unserer Eltern wichtig, aber in solchen Fragen würde ich nie so über mich bestimmen lassen. Ein Argument, dass ich aber nicht aushebeln konnte war das Argument der Lebenserfahrung. Erfahrung ist für Chinesen von großer Bedeutung. Wer schon viele Jahre hinter sich hat, hat logischerweise schon viel erlebt und weiß Rat auf den man sich als junger Mensch verlassen sollte. Ebenfalls bedeuten ist die Tatsache, dass wir ohne unsere Eltern nicht existieren würden und auch ohne sie nichts hätten. Daher ist Pflicht den Eltern zu helfen, die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen, aber auch ihren Rat zu würdigen und den Anweisungen der Familie Folge leisten.

Kindliche Pietät ist ein Konzept, das mit westlichen Werten wie Freiheit und Individualismus stark aneckt. Und auch wenn ich den historischen Hintergrund kenne und mehr und mehr über die Kultur lerne, die noch oft daran festhält, habe ich Probleme mit dieser Einstellung klarzukommen, zu Mahl sie meiner Freundin Zui auch schon oft Kummer bereitet hat.

 

Ist es ein Zeichen von Größe oder Schwäche, wenn sich junge Menschen hier den Forderungen ihrer Familie beugen und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche hintenanstellen?

 

Es gibt Momente da stehe ich für das eine und dann wieder für das andere.

 

 

 

 

 

 

Tag 2 und 3 in Peking

Unsere beiden nächsten Tage waren voll mit tollen Ereignissen, die mich so müde machten, dass ich gar nicht mehr wach genug war um darüber zu bloggen.

Samstag morgen besuchten wir als erstes den Tiananmen platz sowie die verbotene Stadt.

Die Verschmutzung war wieder sehr hoch. Man konnte nicht sehr weit sehen. Aber beide Orte waren trotzdem sehr beeindruckend.  Auf den Platz des Himmlischen Friedens zu treten war schon sehr interessant aber auch etwas seltsam gegeben der Schwere der Geschichte in diesem Ort. Es waren viele Ausländer aber auch viele Chinesen dort. Einige hatten Kinder dabei die chinesischen Fahnen schwenkten. Ich fragte unsere Begleiterin warum das so ist und ihre Antwort war, dass das einfach Liebe zum Vaterland bei den Kindern bewirken, aber auch zeigen soll. Die Atmosphäre war trotz der Zäune und den wachehaltenden Soldaten relativ entspannt. Ich war fasziniert, dass man mit diesen Soldaten Fotos machen konnte und fragen stellen konnte. Wobei ich mich dann auch fragte wer denn eigentlich dieses riesige Mao Portrait gemalt hat.

Platz des Himmlischen Friedens
Platz des Himmlischen Friedens

Die verbotene Stadt war wirklich wirklich beindrucken, mein zweit liebster Ort während unserer Reise. Die Kombination der Farben an den Palastgebäuden waren (wenn sie denn renoviert waren) waren extremste schön. Es gab rot, braun, blau und grün Töne sowie natürlich Gold.

Die verbotene Stadt wurden von den Ming und Qing Kaisern bewohnt und ist über 700 Jahr alt. Das Betreten war dem gemeinen Volk verwehrt, daher der Name verbotene Stadt. Aus gerichtet nach der Nord-Süd Achse war dieser Ort einst das Zentrum der Macht Chinas. Es gibt so viele große und kleine Hallen und Gebäude, das wir während unserer dreistündigen tour gar nicht alles sehen konnten. Daher werde ich bei meinem nächsten Besuch in Peking definitiv noch einmal in Ruhe reingehen.

Nach einem Mittagessen bestehend aus Gemüse, Fleischteigtaschen und eine sehr komische Lebersuppe ging es dann zur chinesischen Mauer. Wir kamen aber erst spät an dem Teil den wir am nächsten Tag bewandern würden an, sodass man nur die beleuchtete Mauer aus der Ferne sehen konnte. Früh ging es dann ins Bett, denn am nächsten Morgen standen wir um fünf Uhr auf um den Sonnenaufgang auf der Mauer zu sehen. Es war zwar kein wirklicher Sonnenaufgang, da es zu neblig und zu verschmutzt war. Aber die Wanderung auf der absolut leeren Mauer, war der Hammer. Für mich der unschlagbare beste Teil der Reise. Unser Teil der Mauer war nicht so gut wiederhergestellt, wie die touristischen Teile es sind. Aber das machte die Erfahrung um so besser. Wir kraxelten rauf und runter, über Treppen und Stufen und Steigungen und Gefälle, die uns alles abverlangten. Drei Stunden wandern wir fünfzehn Wachttürme entlang, zu mehr und mehr Sonnenschein. Bis wir schließlich einen wirklich tollen Blick hatten.

Es war manchmal ganz schön steil!
Es war manchmal ganz schön steil!

Wir waren natürlich super erledigt nach unserer Wandertour. Sodass wir nur noch den Bus zurück nach Peking nahmen, unser Mittagessen aßen und etwas einen traditionellen Stadtteil Pekings erkundigten, bevor wir den Zug zurück nach Shanghai nahmen.

1. Tag in Peking – Sommerpalast, Ente und Skorpion

Neben einem Trip in die Innere Mongolei, steht auch eine Reise nach Peking auf dem Programm. Heute war unser erster Tag.

Mit dem Zug ging es von Shanghai aus mit nur einem Stop in Nanjing nach Peking durch. Mit über 300 km/h waren wir in weniger als fünf Stunden da.

Auf Grund der kalten Temperaturen, etwa 5 Grad Celsius, sind in Peking gerade alle Heizungen angeschaltet worden. Daher war die Luftverschmutzung heute besonders hoch. Man konnte nicht besonders weit sehen, doch diese Nebelwand verlieh dem Neuen Sommer Palast eine mystische Atmosphäre.

Mystischer Atmosphäre im Sommer Palast.
Mystischer Atmosphäre im Sommer Palast.

Der exquisite Komplex aus Häusern, Tempeln, Pagoden und Seen diente den Herrschen der Qing Dynasty als Sommerpalast. Einst gab es einen anderen Palast, heute der alte Sommerpalast genannt, der von ausländischen Truppen zerstört wurde. Und auch der Neue Sommerpalast wurden von den Franzosen und Briten nach dem zweiten Opiumkrieg zerstört, wobei die Kaiserwitw Cixi den Komplex wieder aufbauen ließ und verschönerte, bis er von der Boxer Rebellion wieder beschädigt wurde.

Mit Wasser gemalte chinesische Schriftzeichen. Ein Mann schriebe sie über die ganzen Wege im Sommerpalast.
Mit Wasser gemalte chinesische Schriftzeichen. Ein Mann schriebe sie über die ganzen Wege im Sommerpalast.

Heute ist der Tempel ein beliebtes Ziel und bei tollem Wetter ein absolutes Muss.

Des weiteren kamen wir heute auch noch in den Genuss von echter Peking Ente, die hier zusammen mit Gurken und Zwiebeln in eine Art Tortillaschale gerollt wird und so gegessen wird. Hab ich noch nie vorher gesehen, schmeckt aber wahnsinnig gut.

Pekingente auf eine ganze besondere Art.
Pekingente auf eine ganze besondere Art.

Den Abschluss bildete ein Abend in der Kneipengegend Houhai, die um einen kleinen See herum gelegen ist. Lichter, Musik, grausige Karaoke und eine tolle Atmosphäre dominieren diese Gegend.

Houhai

Neben Zuckerüberzogenen Hawthornbeeren kamen wir hier auch in den Genuss von frittiertem Skorpion. Schmeckt wie salzige, leicht fischige Pommes. Wenn man über das aussehen hinweg gucken kann eigentlich richtig lecker.

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Morgen geht es dann weiter hier in Beijing

Das Land des Ewig Blauen Himmels – Reise in die Innere Mongolei

Die Länder und Völker nördlich von China haben mich schon immer interessiert. Von den Geschichten des Genghis Khan über die Jurchen die einst China eroberten bis hin zu den Manchus, die die letzte Dynasty hervorbrachten, die Reiter- und Hirten und vor allem Kriegsvölker der Steppen haben für mich eine unglaubliche faszinierende Geschichte und Kultur. Da kam mir unser Wochenendausflug in die Innere Mongolei gerade recht.

Nach fünf Stunden reisen, zwei Busfahrten, einem Flug sowie einer sehr schaukeligen Wüsten-jeepfahrt standen wir in der Mitte vom nirgendwo. Außer dem Hotel, einer Ansammlung von Gers, im Westen auch Jurten genannt, sowie einem See, gab es nur Sand und Himmel. Nach der Enge und Lautstärke war es fast beklemmend. Und es war kalt. In Shanghai herrschten immer noch sommerliche Temperaturen und die unter 10 Grad kalte Luft ließ uns alle frösteln. Aber die Luft war so sauber sowie seit Wochen nicht mehr in Shanghai und der Nachthimmel überseht von Sternen.

Aufgehende Sonne in unserem Camp
Aufgehende Sonne in unserem Camp

Wir hatten sogar die Möglichkeit in den Yurten zu schlafen, Gott sei dank mit Heizung. Obwohl ein Feuer in der Mitte ja traditioneller gewesen wäre. Ich habe mich allerdings schon in meine Bücher hineingezogen gefühlt. Während unseres Kamelritts durch die gelben Dünen, konnte ich mir lebhaft die Karawanen vorstellen die mit Wahren in Richtung Peking unterwegs wahren oder in die andere Richtung zu den Steppen der Normaden mit ihren Pferden. Es hatte schon etwas cooles an sich, als man wirklich nur noch Sand und Himmel sehen konnte. Ohne unseren Führer wären wir mit Sicherheit alle verloren gewesen.

Unsere Sammlung von Gers auch bekannt als Yurten. Ein kleinweniger luxuriöser als Camping aber nicht viel.
Unsere Sammlung von Gers auch bekannt als Yurten. Ein kleinweniger luxuriöser als Camping aber nicht viel.
Ich glaube, das Kamel haben wir Fredrick genannt.
Ich glaube, das Kamel haben wir Fredrick genannt.

Wir haben auf den größten Dünen bestimmt tausend Fotos von einander gemacht und herumgealbert bis wir rückwärts die steilen Hänge runterfielen. Was uns auf die Idee brachte doch einmal auf Sand Schlitten zu fahren. Mit relativ einfach selbst gemachten Holzbrettern, bereit gestellt von der Oase düsten wir dann richtig die Hänge hinunter. Die kleine Hotelhündin direkt auf unseren Versen.

Auch wenn wir außer der Stadt Yinchuan nur die Wüste in einem Georeservat gesehen haben, und wirklich lange unterwegs waren um dort hinzukommen, fand ich den Trip echt super und ich werde mir die Innere Mongolei sowie die unabhängig Mongolei irgendwann noch einmal genauer ansehen. Schließlich muss ich neben der Mutter Erde und dem Ewigen Blauen Himmel noch den Khan aller Berge sehen den Bogd Khan Mountain. Dort hinfliegen die Seelen der Verstorbenen laut der Traditionen der Mongolen.

Sie ist uns überall in gefolgt, sogar bis in die Wüste.
Sie ist uns überall in gefolgt, sogar bis in die Wüste.

Mein erster Buddhistischer Tempel und chinesischer Garten

Tempel gibt es in der Megametropole Shanghai zu Haufe. In der Innenstadt, in den Außenbezirken, für Buddhisten, Daoisten, Confucius geweiht, man suche sich was aus. Der aller erste Tempel in dem ich in China war, war der Stadtgott- Tempel in dem Bereich der alten Stadt, die einst von den alten Stadtmauern umgeben war.

Ich fand den Besuch dort unglaublich schön, denn gerade auch weil es geregnet hat, entstand eine mystische aber auch beruhigende Atmosphäre. Nebel stieg auf von den opfer-feuern und es roch stark nach den Weichrauchstäbchen, die beim Betreten des Tempels verbrannt werden.

Yu Garten in Shanghai mit einem Hochhaus im Hintergrund.
Yu Garten in Shanghai mit einem Hochhaus im Hintergrund.
Solche Holzfenster findet man in vielen Tempel. Unglaublich debattiert und faszinierend.
Solche Holzfenster findet man in vielen Tempel. Unglaublich debattiert und faszinierend.

Dies Atmosphäre übertrug sich auch in den naheliegenden Yu Garten, dem ältesten Stadtgarten Shanghais. Dieser ist bei Touristen sehr beliebt und eigentlich immer brechend voll. An jenem Tag war der Garten aber zum Glück etwas leerer, wahrscheinlich wegen des Regens, sowie dem ganz normalen Dienstag. Wobei ich persönlich fand, dass der Regen das Grün des Gartens besonders hervorgehoben hat. Schaut einmal auf meine Fotos. Ich fand’s sehr toll.

Chinesen verbeugen sich mit Räucherstäbchen zwischen in Handflächen in jede Himmelsrichtung
Chinesen verbeugen sich mit Räucherstäbchen zwischen in Handflächen in jede Himmelsrichtung

Sowohl Yuyuan Garten und der Stadtgott-tempel sind sehr sehenswert, super schön und durchaus ein Muss bei einem Besuch in Shanghai. Zu Mal angrenzend an den Garten ein auf altgemachter Stadtkomplex liegt in dem man gut Teigtaschen essen, Tee trinken und Souvenirs kaufen kann.

So ganz neben bei Yuyuan Garten zu sagen, fühlt sich für mich eigentlich falsch an, denn yuan bedeutet schon Garten. Da brauch man es ja nicht nochmal sagen, nur leider hat sich das irgendwie in den Köpfen der Ausländer so eingeprägt, dass alle Yuyuan Garten sagen. Nah gut, es gibt schlimmere Übersetzungs-probleme. Aber dazu später mehr.

Zaijian,
Kat.

Verkehr in China – Jeder macht was er will, aber es funktioniert trotzdem!

Ich ziehe scharf die Luft ein als meine Chefin dem Auto neben uns gefährlich nahe kommt. “Du kamst dem Auto da gerade etwas zu nah für meinen Geschmack!”, rufe ich über den Verkehr hinweg. Ich sitze auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads auf dem Weg zu unserem Café. Für einen Fototermin radeln wir von unserem kleinen Büro aus durch den Süden Shanghais in Richtung des Huangpu. Sie lacht nur und sagt: “Ich ziehe jetzt rüber.” Und schon befinden wir uns auf der linken Seite der Straße, wobei wir immer noch weiter gerade aus radeln um dann eine Linkskurve zu nehmen.

Verkehr ist in China mit eine der verrücktesten Sachen überhaupt. Shanghai mit seinen offizinelle 22 Millionen Einwohner ( wenn man die Wanderarbeiter da zu zählt wohl eher 40 Millionen) bringt daher eine Unmenge and Autos, Bussen, Mopeds, Fahrrädern und Fußgängern hervor, die alle machen was sie wollen. Regeln sind nur Vorschläge, Ampeln eher Beleuchtung und Straßenlinien eh eher unpraktisch. Mopeds und manchmal sogar Autos fahren wo sie wollen, auf den Straßen, in den Moped und Fahrradlinien, auf den Bürgersteigen oder gleich einfach mal durchs Grüne.

Jetzt kann man sich als Westländer ja davor fürchten. Aber es ist weniger gefährlich als man denkt. Die Verkehrsgeschwindigkeit ist relativ langsam und die Menschen sind es gewohnt, dass ein ständiger Wechsel in den Spuren herrscht. Jeder möchte zwar so effizient wie möglich von A nach B kommen, was durch penetrantes hupen unterstüzt wird. Aber gleichzeitig weiß man auch,  dass das bei den unglaublich vielen Verkehrsteilnehmern unrealistisch ist und man einfach aufmerksam sein muss. Man will ja schließlich keinen so anfahren, dass man die Polizei rufen muss. Denn das würde nun wirklich viel zu viel Zeit kosten. Die Unfälle, die ich bis jetzt gesehen habe, vgingen nie über Blechschäden oder geschürfte Arme hinaus. Und ich selbst als Fußgängerin und Skate-boarderin lebe auch noch. Von daher ist es gar nicht mal zu schlimm und überhaupt gehört es in das Bild von China einfach rein.

Das was mich wirklich gruselt ist nur, wenn sie sich zu dritt oder viert auf ein Moped quetschen. Super oft auch mit kleinen Kindern. Da muss ich dann immer schlucken.

Ankunft in China

Mit einem tiefen Atemzug stehen ich von meinem Sitz im Flieger auf und greife meine Tasche.

Ich bin in China. Zum ersten Mal in meinem Leben. Genauer gesagt in Shanghai. Mir ist mulmig zu Mute. Die beiden Flüge hinüber hinweg, konnte ich die Tatsache irgendwie ingnorieren, dass ich mich in ein erneut sehr großes Abenteuer gestürzt habe.
Doch jetzt wird es Zeit sich der ersten Hürde zustellen, der chinesischen Einreisekontrolle. Zusammen mit einem Deutschen, den ich im Flugzeug kennen gelernt habe und der witziges Weise an die gleiche chinesische Uni gehen wird wie ich, steuere ich in Richtung der Schalter. Wir werden durch eine Art Fieberscanner gelenkt, umrandet von Personal in Masken, Gummihandschuhen und weißen Kitteln. Ein paar Schritte weiter sind wird dann schon am Schalter vor Uniformierten, die nicht ein einziges Wort an mich richten. Mir ist eindeutig komisch zu Mute, doch binnen einer Minute ist alles fertig und ich stehe etwas verdutzt am Gepäckband.
So einfach war das, dass ich gar nicht mehr so nervös bin und freudig meine Gruppenmitglieder sowie unsere örtlichen Ansprechpartner finde.
Mit Hilfe der Organisationsangestellten Medusa und Ian fahren wir ins Hotel und erkunden in den nächsten Tagen einige Teile Shanghais, lernen wie man Teigtaschen macht, besuchen einer der vielen Wasserstädte und essen auf dem Oriental Pearl Tower zu Abend. Meine Nervosität ist verflogen, denn ich bin einfach glücklich wieder unterwegs zu sein.  Doch erst als ich mit drei weiteren Programmteilnehmern alleine gegenüber vom Bund stehe, wir Fotos machen und uns einfach nur unterhalten wird mir klar, dass ich nicht im Urlaub bin. Dies ist für die nächsten vier Monate mein Zuhause.